Soll ich dir einen Vorfall erzählen?

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Vor einigen Jahren, eigentlich 2009, als ich noch in Thessaloniki war, ist mir folgendes passiert. Zwei Kinder aus Russland (9 und 7 Jahre alt) sind in der Kindergarten-Gruppe, die ich übernommen habe, gekommen. Ihre Mutter hat sie gebracht. Der Vater hatte sie fast verlassen und wenn er manchmal nach Hause kam, bedrohte er und schlug die Mutter, die in zwei verschiedenen Jobs arbeitete, um zurechtzukommen.

Mit der Kindergaten-Gruppe hatten wir jeden Sonntag um 11 Uhr morgens ein Treffen. Wir spielten Gruppenspiele, ich erzählte ihnen Geschichten und Märchen, wir machten kleine Ausflüge. Wir hatten eine sehr schöne Atmosphäre gebildet und alle hatten Freude daran. Die Kinder aus Russland hatten sehr schnell einen vertrauten Umgang und haben sich schnell an ihren gleichaltrigen und an mich verbunden. Sie haben mir öfters kleine Geschenke gegeben: Zeichnungen, Kunstwerke und Plastilin-Werke,so wie die Kinder in diesem Alter machen.

An einem Sonntag, wo unser Treffen am Ende war und die Kinder weg mussten, ist das kleine von den zwei Brüdern zu mir gekommen, schenkte mir eine Zeichnung, nahm mich im Arm und sagte mir: „möchtest du mein Papa werden?“ Ich habe mich von seiner Frage erschüttert. Ich habe mit der Mutter gesprochen und so die ganze Geschichte erfahren, den ganzen Schmerz, all die traumatischen Erfahrungen, die diese zwei Engelchen jeden Tag erlebten.

Solche Kinder, solche Zustände, die ich eben erwähnt habe, habe ich sehr oft erlebt. Und ich erlebe sie auch noch aus meiner beruflichen Ausübung aber auch aus meiner Teilnahme in Jugendgruppen. Und das einzige, was mein Herz jedes Mal ausruft, ist ein riesiges „warum?“

Die Leute, die einfachen Bürger, kennen leider die Institution der Vermittlung nicht. Oder man hat einfach davon gehört, ohne ihre riesigen Vorteile zu begreifen. Die wohltätigen, therapeutischen Möglichkeiten der Vermittlung.  Wie dann erst im feinen, besonders empfindlichen Bereich der Familie.

Die familiäre Vermittlung kann das beschützen, was mehr als alles andere von einer Trennung strapaziert werden kann: die psychische Welt der Kinder. Das empfindliche Herz der Kinder wird leider tiefgreifend getroffen und schafft Wunden, die Narben hinterlassen. Narben, die die Zeit sehr schwer heilt.

Für die Paare, die sich scheiden oder für die Paare, die eine Unterstützung brauchen, sind die Familienvermittlung offene Arme, ein Beschützungsschild für die Kinder. Der Vermittler, dank seiner Geschicklichkeit und seiner Ausbildung, dekomprimiert die stark negative Atmosphäre und hilft das Paar und deren Rechtsanwalt, mit Maß das Interesse der Kinder zu denken. Die Kinderpsyche ist geschaffen worden, um zu lächeln. Um zu fliegen. Lasst uns alle das beste machen, was wir können.

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